Heute hab’ ich Lust auf eine kleine Reise und überlege
woooohin ? Nachdem wir gerade vor der
Sommerpause den letzten Monat mit „r“ schreiben, entscheide ich mich spontan
für einen Flug in die „Walpurgisnacht“. Ja, Ihr habt richtig gelesen.
Schnell und auf leisen Sohlen
tauche ich ab in die Kleiderkammer in meinem herrlichen Zauberhaus. Denn für
die Walpurgisnacht muß man tauglich sein. Ich durchwühle alles, was schwarz und
hässlich ist. Dann entscheide ich mich für die älteste Leiche dieser
Zauberkammer, einen langen schwarzen Spitzenrock, der besonders gut auf einem Besen
weht. Über meine Schultern schwinge ich ein betagtes Wolltuch meiner Oma, das
bis jetzt immer wieder der Kleidersammlung entkommen ist. Und ganz wichtig, den
schwarzen Filzhut mit breitem Krempelrand und steiler Spitze. Schlußendlich
werden noch Schneide- und Eckzahn geschwärzt – und mein Spiegel zeigt mich
perfekt tauglich zur Hexennacht. Auf geht’s zur Waid – in unseren Zauberwald.
Da kenne ich mich mehr als gut aus, weil auf Kindheitsbeinen wöchentlich mit
meinem Vater dort ein- und ausgegangen und seinen Geschichten gelauscht.
Und das wichtigste Utensil für
heute hole ich jetzt aus seinem Versteck. Meinen im letzten Vollmond selbst
gebundenen Besen, der zu 100 % flugtauglich sein soll. Da bin ich mir sicher.
Übrigens sollte so etwas jeder im Haus haben,
um dann und wann mal davonfliegen zu können. Und jetzt geht’s los, Hex
Hex.
Der Vollmond leuchtet wie ein
durchsichtiger Ball, und wie ich auf dem Turbobesen durch die Lüfte rausche,
kommt es mir vor, als ob ich im Mondbild liebe Seelige erkennen kann, die mir
sogar zuwinken und das Labyrinth zu ihnen deuten versuchen. Und schon wäre ich
beinah’ vom Besen gestürzt und kann mich gerade noch fangen, so turbulent
treibt’s mein Besen mit mir. Ich klammere mich fest an diesem Flugkörper und
gebe ihm mit Nachdruck meine Richtung an, damit er direkten Kurs nimmt zu
meinem Ziel Waid 1. Und schon hat er gehorcht und mich direkt auf dem Dach
abgesetzt. Der Zauberbesen kreist mit magischer Vollmondkraft noch wie ein XL-Glühwürmchen
um die Waid 1 herum, bis er direkt neben mir auf dem Hexenboden parkt.
Ich bin hin- und hergerissen, was
für Schaaren groß und klein auf den Beinen sind. Wie spannend, wenn unser heiß
geliebter Winter verabschiedet und der Walser Bergfrühling willkommen geheißen
wird. Ich freue mich, wie dieser Hexentreff angenommen wird, obwohl diese
Tradition nicht hier ihr Wurzeln hat. Was ein Kontrast-Programm, dieses
herrliche Zauber-Rendevous. Sie kommen sämtlich verkleidet als Hexen, mit
Fackeln in Händen und verwandeln unseren herrlichen Part „Waid“ in eine große
Naturbühne. Kleine und große Zauberer mit schaurigen Hexen begeistern das
kleine und große Publikum. Ich fühle mich an meinem Logenplatz, wie in einem
Breitband-Kino.
Viele kleine und große Hexen
lassen kleine Scheiterhaufen brennen und sammeln sich rundherum mit Besen,
Mistgabeln oder Plüschhexen und reiben sich zum Spaß mit schwarzer Hexensalbe
ein, um besser oder überhaupt fliegen zu können. Dabei werden zum Hexenpunsch
Schmalzbrot mit Gänseblümchen angeboten. Das alles bei viel und lautem
Gelächter, bis man sich überwunden hat, in die kleinen Blümchen zu beißen.
Und jetzt ist’s soweit – die Band
„Walser Engel“ stürmt die Naturbühne und heizt dem verhexten Publikum mit
coolen Songs so richtig ein. Stimmung im Walser Zauberwald. Das ist
Walpurgisnacht bei Walser Vollmond – sooo schön wie’s schöner gar nicht sein
kann.
Dann werden beliebige Gegenstände
mit einem Zauberspruch dem Feuer übergeben, als „Garaus“ für unseren Walser
Winter. Und - um Mitternacht wird mit sagenhaftem Höhenfeuerwerk und
Trompetensolo dem Winter Servus gesagt und die letzten Reste Winter vertrieben.
...und schon liegt etwas Neues,
Besonders in der Luft - ein Hauch von Frühling streicht uns allen um die Nase.
Die Hormone geraten zunehmend in Wallung, die gute Laune steigt weiter an, und
alle miteinander würden wir gerne die kleine Walser Welt umarmen und uns neu
verlieben - in wen oder was auch immer, vielleicht in unseren Walser
Berg-Frühling.
Wie herrlich, mein Besen und ich
sind auf dem Nachhauseweg. Doch wir haben Start-Schwierigkeiten. Ein heftiger
Ruck, und wir streifen einen Baumwipfel, jetzt Nachbars Wohnmobil samt
Hühnerstall. Mein Herz schlägt Purzelbaum, ich habe keinen Halt mehr – und
jetzt – ein heftiger Rumser – und ich fliege samt Besen zu Boden. Wir haben
Mitternacht verpasst, keine Zauberkraft mehr. Walpurgisnacht ist vorbei. Wir
müssen nach Hause laufen, mein Zauberbesen und ich. Ich spür’s erst jetzt, keine Schuhe und Strümpfe an meinen Füßen. Also geht’s barfuß weiter. Der Vollmond hat
sich auch gerade hinter die „Riezler Alp“ verschanzt und aufgehört, uns heim zu
leuchten. Wie von aller Welt plötzlich verlassen. "Flutsch" rutsche ich gemein aus auf
einer glitschigen Masse und abermals wieder. Es ist etwas sehr übel Riechendes.
Jetzt habe ich’s erkannt, Hundehäufchen wurden zu meiner Falle. Hex Hex, mein
Besen und ich haben den pünktlichen Abflug verpasst.
Aber trotz üblem Ausrutscher in
der Finsternis - schön war’s wieder, wenn Tradition gefeiert wird. Ein alter
Brauchtum lädt wieder mal ein – zur Vertreibung der Wintergeister und
Willkommensgruß dem Frühjahr. Walpurginacht. Vielleicht seid auch Ihr ein
nächstes Mal dabei.
Und übrigens - wer es nicht
glaubt, in dieser Nacht werden auch Männer zu Hexen. Einfach drunter schauen,
in der Walpurgisnacht ist alles erlaubt, was Spaß macht. Hex Hex – also bis zum
nächsten Mal. Hex Hex…..