Alp´n´Gold, das Buch zum Blog!

Hallo meine lieben und treuen Blogleser!

Sie haben sicherlich bemerkt, dass Sie nur noch wenige meiner Geschichten auf dieser Seite finden. Das hat den Grund, dass die beliebtesten und töllsten Blogs nun in meinem Buch "Alp´n´Gold, rot-weiss-rote Kurzgeschichten", zu finden sind. Auf der Seite www.alpngold.at finden Sie alle Informationen zu meinem Büchlein. Das Buch Alp´n´Gold ist direkt bei uns, im Alp´n´Gold Buchladen, in jedem online Buchshop und Buchhandel zu erwerben.

Ich freue mich über Ihre Buchbestellung, Ihre Tintenfee, Helga F. Würtz

Sonntag, 31. Mai 2015

"Mein Lebensgefühl"

Vor ein paar Wochen hat mich ein Freund aus Berlin gefragt, was ich an meinem Kleinwalsertal (dieser beliebten Sommer- und Winter-Tourismus-Destination) in meinem „www.klein-österreich.at“, als Einheimische mit Wurzeln so speziell und schön finde, um ihm als Fremdem die Augen für das Besondere zu öffnen. Spontan habe ich geantwortet: „Das Lebensgefühl.“ Doch das reichte meinem Freund nicht. Er wollte Fakten, Erlebnisse – etwas Handfestes eben. Und weil er nicht locker ließ, habe ich ihm schnell eine ganz persönliche Liste von Begebenheiten zusammengestellt, die für mich im Laufe meines Lebens dieses Lebensgefühl charakterisieren - kurzum – meinen Wohlfühlfaktor:

„die kleine Tankstelle“

Einen Katzensprung von meinem Zauberhaus liegt einer meiner Lieblingsplätze, “die kleine Tankstelle“. Für mich hat dieser Zauber alles, was eine perfekte Idylle braucht: Mächtige Tannen und geschützte Nischen am uralten Hollerstrauch, rundherum vom Kuhtritt geprägte Buckelwiesen und der immerfort plätschernde Brunnen mit anmachendem Quellwasser, an dem ich mich nimmermehr satt trinken kann. Im Mittelpunkt der belassene Baumstumpf in seiner Multi-Funktion zum Ausruhen, Vespern oder sich Verlieben, in wen oder was auch immer. Und wenn dann die Sonne untergeht und zeitgleich vom Gegenüber eine Abend-Serenade der Alphorn-Bläser ertönt,  genieße ich diesen Augenblick als Krone meines Lebensgefühls. Und wer bei aller Hingabe an diese „kleine Tankstelle für Leib und Seele“ das Heimgeh’n verpasst, kann sich im Baumhaus auf’m Heubett niederlassen, vorausgesetzt, er kennt ihn - den Code zum „goldenen Schlüssel“ -  zu diesem unbezahlbaren Seelenluxus!!!!!

Brotzeit aus dem Rucksack

... besser wie am gedeckten Tisch oder gar aus der modernen Imbiss-Kette. Ich mach’s mir allerliebst auf einem Baumstumpf oder dem Wiesenboden bequem, während meine Freunde, die hungrigen Dohlen, schon drauf warten, dass die Brotzeit aus dem Rucksack geholt wird. Ich genieße dieses Vergnügen mit meinen gefiederten Freunden, bis sie sich mit Flugkünsten bedanken und im Licht der schrägen Sonnenstrahlen hochtrabend abtauchen. Dann lege ich mich allerliebst noch zurück und schaue dem fliegenden Wunder Natur nach, bis mich die Verantwortung einholt, dass ich meine To-do-Liste vergessen hab’! Aber das Leben hier ist einfach soooo lebenswert!

„das kleine Disneyland“

Einen unvergesslichen Jahreswechsel verbrachte ich mit Freunden in der gigantisch gelegenen Hütte meines Bruders. Von dort hat man einen Blick, als würden wir auf einem Balkon über dem Dorf thronen. Wenn der Himmel in der Sylvesternacht zudem makellos ist, entsteht der zauberhafte Eindruck, als würde dieses bunte Feuerwerk über einem „kleinen Disneyland“ entfacht. Denn hier liegt die Besucherzahl zu dieser Zeit bei ca. Elftausend, so habe ich mir sagen lassen. Gemeinsam stößt man auf das neue Jahr an, umarmt sich, wünscht sich nur das Beste, nimmt sich Sachen vor, die man doch nicht lange durchhält und fragt sich, was das junge Jahr wohl mit einem vor hat. Was ein prickelnder Zauber .....

Das Heimatgefühl: Ich spür’ es immer und abermals wieder,

.....wenn ich den Otto treff’ in seiner Lederhose, nicht „made in Sri Lanka“, sondern handgeschneidert in Österreich - zudem betagt und soo schön speckig, wie es sich für eine richtige Original-Lederhose gehört. Diese Lederhose ist nicht abstoßend und kitschig. Nur das wissen Jörn, Birthe & Co. nicht, wenn sie in ihrer Begeisterung auf der Suche nach der richtigen Ledernen einem Werbeknaller erliegen und sich zur Krönung noch an einem „falschen“ Tirolerhut vergreifen. Nur unser Otto kennt das Original. Und wenn er die stolzen Touristen in den Lederhosen sieht, wenn sie bei braunem Getränk sitzen, auf dem weißer Schaum tanzt, denkt er sich, „au weia, wieder ein Kostümierter“.

....oder wenn ich den Hansl beim Bäcker treff’ und er mir im Vorbeigeh’n kurz in den Arsch kneift. Das ist Spaß  und kein „sexueller Übergriff“, wie es anderswo abgeurteilt wird. Auch wenn der blaue Fleck nach gar drei Wochen erst verschwindet, so begeistert hat er samt Jeans zugepackt. Aber Heimatgefühl darf auch mal weh tun!!!! Und ich weiß, dass er sich noch fürs andere Geschlecht interessiert, obwohl er bald acht Jahrzehnte in uns’re liebenswerte Welt gehört.

„Das Wurzelheim“ - mein Elternhaus

Viel Holz und Anderweitiges an altem Mobiliar und Inventar bürgt in diesem edlen Heim für ein gesundes Lebensgefühl. Es sind Dinge aus Großelterns Zeiten, die an gestern und vorgestern erinnern. Ich glaube nicht an Gespenster oder Ähnliches, aber für mich haben diese alten, naturbelassenen Häuser eine Seele. Und Gefühle der Menschen, die darin wohnten und wohnen, sickern in die Wände. Mich überkommt solches Gefühl, wenn ich ein Haus betrete. Und mir wird ganz warm ums Herz, weil ich eine bestimmte Atmosphäre spüre. Wie der massive Holztisch mit Kerben und verblassten Strichmännchen, die an das Verrichten von Hausaufgaben erinnern, die sich trotz mehrmaliger Versuche nicht entfernen ließen. Wie umwerfend, dieses geschichtsträchtige Leben, designed vom Charme der Vergangenheit, doch sein kann, für mich einfach unbezahlbar. Als Krönung über diesem runden Tisch, das glänzende Krallentäfer mit dem mehr als 300 Jahre alten stummen Zeugen vieler Höhen und Tiefen in diesem Heim, das Kruzifix.

Komme ich dagegen in Häuser über unsere Grenzen, so spüre ich eine Traurigkeit in manchen Wänden. Diese Häuser kommen mir vor wie ohne Seele. Auch da und dort alte Bilder oder Möbelstücke deuten für mich darauf hin, dass die Leute passionierte Flohmarkt-Jäger sind, jedoch ohne gelebte Tradition und Inspiration von der Vergangenheit. Die Herzlichkeit und Wärme in diesen Häusern wirkt vorgetäuscht. Mir fehlt das gute Gefühl, sich an den Tisch setzen zu wollen, um zu verweilen.


Übrigens – mein Gästefreund hat mir jetzt verraten, warum er das mit meinem Lebensgefühl so genau wissen wollte. Er hat ein Immobilienangebot in unserem paradiesischen Tal und wird im Herbst von der Spree ins Tal der Breitach zieh’n. Ja – dann sehen wir mal, wie es dann ab Herbst mit ihm weitergeht.